Bruch mit der unseligen Hauptstadt-Tradition
Von Jürgen Dieter Ueckert
Berlin als deutsche Hauptstadt war seit 1871 nicht nur, aber auch ein Kasernenhof, dessen Kadavergehorsam des Weltmacht spielenden kleindeutschen Hohenzollernreichs die deutsche Götterdämmerung vorzubereiten half.
Berlin als deutsche Hauptstadt war danach nicht nur, aber auch Tummelplatz und Wasserkopf linker, rechter und vor allem mittelmäßiger Politik der fiebernden Weimarer Republik, die geistige Brutstätte für die Schlachthöfe des mörderischen Naziregimes, die hochsubventionierte Frontstadt des Westens und grausame Verwaltungsmetropole des verbrecherischen SED-Regimes.
Bonn dagegen steht für mehr als 40 Jahre parlamentarische Demokratie in Deutschland und für die Tradition eines gesamtdeutschen Rechtsstaates der Paulskirche.
Zugegeben – eine harsche Begründung für die demokratische Tradition der Bonner Bundesrepublik Deutschland, eine Begründung, die gegen ein Deutschland autoritärer und zentralistischer Prägung mit Wasserkopf-Kapitale Front machen will.
Berlin ist Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschland Ost und West, wie im Einigungsvertrag festgelegt. Noch ist Bonn Regierungs- und Parlamentsitz für das gesamte Deutschland.
Aber das neue, 1990 entstandene Deutschland hätte jetzt einen Bruch mit einer unseligen Berliner Hauptstadt-Tradition nötig, weil die Bundesrepublik Deutschland mit ihrer kurzen Tradition westlicher Prägung von Demokratie in Staat und Gesellschaft erfolgserprobt und zukunftsversprechend ist.
Was interessieren da Sonntagsreden von Politikern aus der Nachkriegszeit in der alten Bundesrepublik, die heute nur noch das sind, was sie immer waren: eben Sonntagsreden. Die Zeiten wandeln sich. Und der Alltag in der neuen Bundesrepublik Deutschland hat uns schon längst eingeholt.
Deutschlands Zukunft ist auf den Werten jener erfolgreichen, westlich orientierten deutschen Politik gegründet, für die Bonn steht.
Das verpflichtet – für den gesamtdeutschen Regierungs- und Parlamentsitz in Bonn. Und daneben haben wir ja noch die vertraglich festgelegte deutsche Hauptstadt und Metropole Berlin.
Der Autor ist Leitender Redakteur Aktuell bei Radio Regional Heilbronn.
Heilbronner Stimme, 22. Juni 1991
Dienstag, 1. Dezember 2009
Freitag, 20. März 2009
echo-Lot
Gewohnheit
Von Jürgen Dieter Ueckert
Dir einen Kuss geben? Da könnte ich ja auch gleich einen nicht ausgewaschenen Aschenbecher ausschlecken. Brüllte die resolute Blondine - in einem ironischen Antiraucher-Filmchen. So wird plump gegen das Rauchen Front gemacht. Fast in Westeuropa ist seit geraumer Zeit das Qualmen in der Öffentlichkeit tabu. In Frankreich ist seitdem die Anzahl der Herzinfarkte um 15 Prozent gesunken, so die Europäische Gesellschaft für Kardiologie. In Italien und Schottland sind ähnliche Beobachtungen gemacht worden. In Rom zum Beispiel sank die Zahl der akuten Infarkte um 11,2 Prozent. Und in Schottland verringerte sich die Anzahl der Herzinfarkte unter den Rauchern um 17 Prozent, unter den Nichtrauchern sogar um 20 Prozent. Was in Italien und Frankreich beim öffentlichen Rauchen alltäglich ist, das sollte auch bei uns durchaus - ohne große Fragen - möglich sein. Niemand will den Rauchern ihre Gewohnheit verbieten. Wer nachdenkt, der darf aber eine Verbeugung vor den bewiesenen Tatsachen erwarten - sprich vor der Vernunft.
05.03.2008
Von Jürgen Dieter Ueckert
Dir einen Kuss geben? Da könnte ich ja auch gleich einen nicht ausgewaschenen Aschenbecher ausschlecken. Brüllte die resolute Blondine - in einem ironischen Antiraucher-Filmchen. So wird plump gegen das Rauchen Front gemacht. Fast in Westeuropa ist seit geraumer Zeit das Qualmen in der Öffentlichkeit tabu. In Frankreich ist seitdem die Anzahl der Herzinfarkte um 15 Prozent gesunken, so die Europäische Gesellschaft für Kardiologie. In Italien und Schottland sind ähnliche Beobachtungen gemacht worden. In Rom zum Beispiel sank die Zahl der akuten Infarkte um 11,2 Prozent. Und in Schottland verringerte sich die Anzahl der Herzinfarkte unter den Rauchern um 17 Prozent, unter den Nichtrauchern sogar um 20 Prozent. Was in Italien und Frankreich beim öffentlichen Rauchen alltäglich ist, das sollte auch bei uns durchaus - ohne große Fragen - möglich sein. Niemand will den Rauchern ihre Gewohnheit verbieten. Wer nachdenkt, der darf aber eine Verbeugung vor den bewiesenen Tatsachen erwarten - sprich vor der Vernunft.
05.03.2008
Sonntag, 8. März 2009
echo am Morgen
Guten Morgen,
ich liebe das englische Königshaus. Nicht falsch verstanden – ich liebe mein Vaterland als Republik und wünsche mir kein gekröntes Haupt als erster Diener des Staats. Ich liebe die Windsors wie Bonanza, Dallas oder Denver. Mit dem Unterschied – die Royal Family ist echt und liefert eine Show, wie es ein spießiges Bürger-Leben kaum liefert. Elizabeth und Philipp bieten seit mehr 50 Jahren ein Stück, das kein noch so begabter Autor sich ausdenken kann. Charles und Diana müssten für ihre Kapriolen heute noch Gage bekommen. Oder gar ihre Kinder William und Harry – die Krönung. Besonders Harry: wild, direkt, trinkfreudig – wie halt ein junger Mann. Und als Soldat pflichtbewusst. Chapeau.
Jürgen Dieter Ueckert
02.03.2008
ich liebe das englische Königshaus. Nicht falsch verstanden – ich liebe mein Vaterland als Republik und wünsche mir kein gekröntes Haupt als erster Diener des Staats. Ich liebe die Windsors wie Bonanza, Dallas oder Denver. Mit dem Unterschied – die Royal Family ist echt und liefert eine Show, wie es ein spießiges Bürger-Leben kaum liefert. Elizabeth und Philipp bieten seit mehr 50 Jahren ein Stück, das kein noch so begabter Autor sich ausdenken kann. Charles und Diana müssten für ihre Kapriolen heute noch Gage bekommen. Oder gar ihre Kinder William und Harry – die Krönung. Besonders Harry: wild, direkt, trinkfreudig – wie halt ein junger Mann. Und als Soldat pflichtbewusst. Chapeau.
Jürgen Dieter Ueckert
02.03.2008
echo-Lot (27.02.2008)
Grüne Fühler
Von Jürgen Dieter Ueckert
Wegen des Schmusekurses zwischen SPD und Linke muss niemand mit dem Kopf wackeln oder gar Unverständliches murmeln. Der politische Wind in Deutschland weht heftig von links. Steuersünder, Gierige und andere Konjunktur-Ritter haben Wasser, ja ganze Bäche auf linke Mühlen geleitet. Klar, in der 80er Jahren gab es SPD-SED-Papiere, die der Ost-Diktatur einen guten Willen bescheinigten. Krude Gedanken - heute nachzulesen im Internet. Derweil arbeiten die "Bruder-Parteien" in rot-roten Koalitionen in Berlin und wie einst in Meck-Pomm zusammen - ohne große Kräche. Im leisen Funktionieren und "nicht unbedingt siegen", sondern an der Macht teilhaben sind die Ex-Kommunisten Meister. Rot-rot-grüne Mehrheiten in Westdeutschland: Hessen (49,2 Prozent) und Hamburg (50,1 Prozent). Ole von Beust versucht nun in Hamburg, Keile ins neue Lager-Denken zu treiben. Günther Oettinger, Ländles-Premier, hatte bei seiner letzten Regierungsbildung die Fühler in Richtung Grüne ausgestreckt. Die CDU-Basis signalisierte schlicht: Nein.
Von Jürgen Dieter Ueckert
Wegen des Schmusekurses zwischen SPD und Linke muss niemand mit dem Kopf wackeln oder gar Unverständliches murmeln. Der politische Wind in Deutschland weht heftig von links. Steuersünder, Gierige und andere Konjunktur-Ritter haben Wasser, ja ganze Bäche auf linke Mühlen geleitet. Klar, in der 80er Jahren gab es SPD-SED-Papiere, die der Ost-Diktatur einen guten Willen bescheinigten. Krude Gedanken - heute nachzulesen im Internet. Derweil arbeiten die "Bruder-Parteien" in rot-roten Koalitionen in Berlin und wie einst in Meck-Pomm zusammen - ohne große Kräche. Im leisen Funktionieren und "nicht unbedingt siegen", sondern an der Macht teilhaben sind die Ex-Kommunisten Meister. Rot-rot-grüne Mehrheiten in Westdeutschland: Hessen (49,2 Prozent) und Hamburg (50,1 Prozent). Ole von Beust versucht nun in Hamburg, Keile ins neue Lager-Denken zu treiben. Günther Oettinger, Ländles-Premier, hatte bei seiner letzten Regierungsbildung die Fühler in Richtung Grüne ausgestreckt. Die CDU-Basis signalisierte schlicht: Nein.
echo am Morgen (24.02.2008)
Guten Morgen,
erotische oder gar sexuelle Techtelmechtel haben in den puritanischen USA gerade Konjunktur – zum Beispiel bei den Kandidaten der Präsidenten-Vorwahlen. Kein Kandidat schenkt den anderen etwas. Schlammschlachten nennen wir das einfach mal, was bei den Demokraten und Republikanern gespielt wird. Der Wahlkampf in Hamburg war dagegen wie ein Fairplay-Kartenspiel beim Jungfern-Kaffeekränzchen – zivilisiert und hanseatisch. Ohne Lebenspartner auf Plakaten und schmierige Parolen. Heute muss noch an der Elbe die Frage beantwortet werden: Wird mit dieser Wahl das Land politisch röter? Und ob der geborene Hanseat Ole von Beust oder Michael Naumann Bürgermeister wird.
Jürgen Dieter Ueckert
erotische oder gar sexuelle Techtelmechtel haben in den puritanischen USA gerade Konjunktur – zum Beispiel bei den Kandidaten der Präsidenten-Vorwahlen. Kein Kandidat schenkt den anderen etwas. Schlammschlachten nennen wir das einfach mal, was bei den Demokraten und Republikanern gespielt wird. Der Wahlkampf in Hamburg war dagegen wie ein Fairplay-Kartenspiel beim Jungfern-Kaffeekränzchen – zivilisiert und hanseatisch. Ohne Lebenspartner auf Plakaten und schmierige Parolen. Heute muss noch an der Elbe die Frage beantwortet werden: Wird mit dieser Wahl das Land politisch röter? Und ob der geborene Hanseat Ole von Beust oder Michael Naumann Bürgermeister wird.
Jürgen Dieter Ueckert
echo-Lot (20.02.2008)
Nur erstaunt
Von Jürgen Dieter Ueckert
Wir alle müssen uns an Gesetze halten. Eine Binsenweisheit. Aber Wirtschaftsführer in Deutschland müssen wissen, dass ihr Fehlverhalten besonders ausschlachtet, warnt der ehemaligie Industrie-Präsident Hans-Olaf Henkel - und bemerkt lakonisch: Ein wegen Steuerhinterziehung verurteilte Wirtschaftslenker ist deshalb auch zu Recht weg vom Fenster. Ein verurteilter Tennisspieler, Sänger oder Moderator komischerweise nicht. Anders als beim Spion. Ich liebe den Verrat, soll der englische Staatsmann Churchill gesagt haben, aber ich verachte den Verräter. Ob der Liechtensteiner Banker, der seine brisanten Informationen über deutsche Steuersünder an den BND verkaufte, mit seinen 4,2 oder 5 Millionen Euro glücklich wird, das wird sich zeigen. Nebenbei: Glücklich wird hoffentlich der Familienvater aus dem Rhein-Neckar-Kreis, der Anfang Februar 18,9 Millionen Euro im Lotto gewann. Brieflich wurde der Glückspilz jetzt informiert: "Ich dachte, hier will mich jemand auf den Arm nehmen." - So denken jetzt auch viele reiche Steuersünder.
Von Jürgen Dieter Ueckert
Wir alle müssen uns an Gesetze halten. Eine Binsenweisheit. Aber Wirtschaftsführer in Deutschland müssen wissen, dass ihr Fehlverhalten besonders ausschlachtet, warnt der ehemaligie Industrie-Präsident Hans-Olaf Henkel - und bemerkt lakonisch: Ein wegen Steuerhinterziehung verurteilte Wirtschaftslenker ist deshalb auch zu Recht weg vom Fenster. Ein verurteilter Tennisspieler, Sänger oder Moderator komischerweise nicht. Anders als beim Spion. Ich liebe den Verrat, soll der englische Staatsmann Churchill gesagt haben, aber ich verachte den Verräter. Ob der Liechtensteiner Banker, der seine brisanten Informationen über deutsche Steuersünder an den BND verkaufte, mit seinen 4,2 oder 5 Millionen Euro glücklich wird, das wird sich zeigen. Nebenbei: Glücklich wird hoffentlich der Familienvater aus dem Rhein-Neckar-Kreis, der Anfang Februar 18,9 Millionen Euro im Lotto gewann. Brieflich wurde der Glückspilz jetzt informiert: "Ich dachte, hier will mich jemand auf den Arm nehmen." - So denken jetzt auch viele reiche Steuersünder.
echo am Morgen (17.02.2008)
Guten Morgen,
warum brummt im Moment die deutsche Wirtschaft? Weil unsere Arbeitnehmer so fleißig sind? Die Gewerkschaften sind dieser Ansicht – und fordern einen kräftigen Nachschlag beim Lohn. Nach dem Motto: Der deutsche Aufschwung darf nicht nur ein Aufschwung der Manager und Aktienbesitzer sein. Bei aller aufgeregten Euphorie ist jetzt unter Vernünftigen und klugen Wirtschaftskapitänen Augenmaß gefordert. Dass einige der Manager jetzt als Versager am Pranger stehen, das ist ein Signal der Unmoral. Wenn Teile von Eliten in Politik und Wirtschaft sich als gierig, machtgeil und korrupt herausstellen, dann ist was faul im Staate D. – denn der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf her.
Jürgen Dieter Ueckert
warum brummt im Moment die deutsche Wirtschaft? Weil unsere Arbeitnehmer so fleißig sind? Die Gewerkschaften sind dieser Ansicht – und fordern einen kräftigen Nachschlag beim Lohn. Nach dem Motto: Der deutsche Aufschwung darf nicht nur ein Aufschwung der Manager und Aktienbesitzer sein. Bei aller aufgeregten Euphorie ist jetzt unter Vernünftigen und klugen Wirtschaftskapitänen Augenmaß gefordert. Dass einige der Manager jetzt als Versager am Pranger stehen, das ist ein Signal der Unmoral. Wenn Teile von Eliten in Politik und Wirtschaft sich als gierig, machtgeil und korrupt herausstellen, dann ist was faul im Staate D. – denn der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf her.
Jürgen Dieter Ueckert
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